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 Kinderzimmer 

Kinderzimmer

2002

ortsbezogene Installation

SW-Fotografie auf Schlagmetall auf Holz (je 20 x 15 cm), Schultafellack auf Holz (Version 1), schwarzer Karton (Version 2)

variable Maße

Ansichten: Atelier, Stadtgalerie Eichenmüllerhaus, Lemgo, Kunstverein Paderborn (Version2)

In der neuesten Arbeit "Kinderzimmer" verwendet Gabriele Undine Meyer Kinderfotos von Lemgoer Bürgern, die über einen Zeitungsaufruf zur Ausleihe von alten Aufnahmen gebeten wurden. Blass und verschwommen erscheinen die kleinen ernsthaften Gesichter, nahezu ikonengleich, auf goldglänzenden Holzschachteln. Die Lemgoer Kinder vertreten nicht nur die Gesamtheit aller Kinder, über die goldene Farbsymbolik werden sie zu einer Metapher für die Verheißungen und Verklärungender Kinderzeit. Dass diese unwiderruflich vorbei ist, erhöhte Melancholie ihrer Nachbilder. Indem die Künstlerin sie sehr niedrig hängt, zwingt sie uns darüber hinaus eine kindliche Perspektive auf. Das zweite Element der Installation besteht aus mit Tafellack überzogenen Kinderstühlen, deren stumpfe, tiefschwarze Oberfläche mit den glänzenden Schachteln kontrastiert. Auch hier wird durch einen konkreten Gegenstand, den die wie erloschen wirkende Farbe nochmals symbolisch auflädt, auf die Welt der Kinder hingewiesen.

In der Kunst von Gabriele Undine Meyer sind Körper abwesend, was bei einem so hoch metaphorischen Ansatz nicht verwundert. Synekdochen sind zurückhaltend und zart, wirken manchmal gar etwas altmodisch. Sie appellieren an das Vorstellungsvermögen des Zuhörers oder Betrachters und verlangen geistige Beweglichkeit.

Auszug aus der Einführung in die Ausstellung Reclam - Arbeiten zum Thema Erinnerung in der Stadtgalerie Eichenmüllerhaus Lemgo von Angela Lampe, Kuratorin, Centre Pompidou, Paris

(Der komplette Text ist erschienen in Benedikt Sturzenhecker (Hrsg.), Gabriele Undine Meyer, Recall, Kerber Verlag, 2002 und als pdf-Datei über das Symbol rechts unten auf dieser Seite abrufbar.)